literatur film kunst

not proud.

von 重子 夏希 10. Jul 2007 19:53 ~ 0 x senf dazu ~ edit

not proud.

anonyme geständnisse zu den 7 „todsünden“ + vermischtes

Q - Have any of the confessions on the site disturbed you? A - Yes. We believe that you would have to be insensate not to be shocked or disturbed by some of the confessions posted on the site, but we operate by the credo that is present in our manifesto: „Confessions are as we see ourselves. It is not always pretty but it is often illuminating.“
Q - The site is so simple. Why no graphics? Why no ads? A - We knew that in order for us to maintain a feeling of anonymity, we had to create a space far away from the noise of the internet. By offering no colour or imagery, the site becomes a blank slate where the emotions are created by the confessions, not the design.

mehr davon: penance


ein mädchen, das so tut …

von 重子 夏希 18. Sep 2006 21:24 ~ 0 x senf dazu ~ edit

… als ob es schläft, kann man noch in den nächsten tagen begaffen, wenn man am maison de france am ku‘damm 211 vorbeikommt.
das mädchen heißt yingmei duan, kommt aus china und ist performancekünstlerin. wenn ich mich nicht verlesen habe studiert sie gerade bei professor schlingensief.
als ich heute da war, hat sie allerdings für meinen geschmack etwas zu viel gezappelt. ich hätte sie gern wirklich schlafen gesehen.


Fußball (nebst Abart und Ausartung)

von 重子 夏希 23. Jun 2006 01:35 ~ 0 x senf dazu ~ edit

Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!

Joachim Ringelnatz


der potsdamer platz sieht aus, wie ein einkaufszentrum in vancouver

von 重子 夏希 4. Apr 2006 19:09 ~ 0 x senf dazu ~ edit

… steht jedenfalls auf seite 690 in dem buch, das ich gerade lese (jeffrey eugenides, middlesex -

auf den über 700 seiten dieses buches stehen aber auch noch einige andere interessante sachen, z.b:

von einer patriarchalischen linearität konnte keine rede sein. wir griechen heiraten im kreis, um uns einzuprägen, worauf es in der liebe im wesentlichen ankam: daß man, um glücklich zu sein, vielfalt in der wiederholung finden muß; daß man, um voranzukommen, gut daran tut, an den gemeinsamen ausgangspunkt zurückzukehren.

(s.103)

auf seite 245 wird erwähnt, daß cals vater jugendlich verliebt in seine spätere mutter, ein gedicht von Andrew Marvell las, „an seine spröde geliebte“.
ich mußte natürlich dieses gedicht, das milton zum, man höre und staune, schreiben von liebesgedichten anregte, auch mal gelesen haben und fand es schließlich hier: „to his coy mistress“.
im buch wird der titel mit „an seine spröde geliebte“ übersetzt, coy könnte aber auch „schüchtern“ heißen.
(„daphnis und chloë“ hab ich da auch gefunden - auch nicht schlecht)

genau wie eugenides‘ toilette, so etwas könnte ich auch gebrauchen:

jeden tag ging ich, wenn ich irgend konnte, über die hintertreppe in die verlassene toilette und schloß mich wenigstens für eine halbe stunde ein.
gibt es einen anderen ort, der so tröstet, wie eine alte vorkriegsschultoilette? eine toilette, wie sie in amerika gebaut wurden, als das land einen aufschwung erlebte? die souterraintoilette an der baker&inglis war hergerichtet wie eine opernloge. an der decke strahlten edwardianische leuchten. die waschbecken waren tiefe weiße schüsseln, die in blauen schiefer eingelassen waren. beugte man sich nieder, um sich sein gesicht zu waschen, sah man winzige risse im porzellan, wie bei einer ming-vase. goldketten hielten die abflußstöpsel fest. unter den hähnen hatte tropfwasser das porzellan in dünnen streifen grün geschliffen.

eine sehr schöne szene auch als cal (da noch calliope) untersucht wird, nachdem sie, auf der flucht vor jerome, dem bruder des „objekts“, mit einem traktor kollidiert war:

mir war eingefallen, wie das objekt die hüften angehoben hatte, damit ich ihr die unterhose ausziehen konnte. das kleine signal der einwilligung, des begehrens. ich dachte daran, wie schön ich es gefunden hatte, daß sie das tat. jetzt griff die schwester unter mich. also hob ich die hüften.

auf der vergeblichen suche nach dem auf s.569 erwähnten japanischen maler „hiroshi yamamoto“ (es gibt wohl einen bogenschützen dieses namens, aber wo ist der maler?), fand ich übrigens heraus, daß es so etwas ähnliches wie ein japanisches projekt gutenberg gibt - aozora bunko.
und auf s.679 hab ich schließlich noch ein neues wort gelernt: peripatetiker.

aber es gibt auch dinge in diesem buch, die sooo tragisch sind: gleich am anfang die zerstörung von smyrna, inklusive der ermordung der ganzen familie von dr. philobosian und fast ganz am ende, der tod von milton, als er seine vermeintliche tochter auszulösen fährt, obwohl das ja schon fast wieder etwas komisches hat.


walk the line

von 重子 夏希 13. Mär 2006 23:26 ~ 0 x senf dazu ~ edit

ich sags gleich: ein toller film. lohnt sich. muß aber, glaube ich, im kino sein.
warum gefällt mir dieser film? ich will keine diskussion darüber vom zaun brechen, ob und warum man solche fragen überhaupt stellen sollte. grundsätzlich muß ich nicht begründen, warum mir irgendetwas gefällt. das hatte ich im studium schon zur genüge.

der start ist allerdings aus dem stoff, der mich wohl mein leben lang in meinen träumen verfolgen wird: J.R. (der erst später zu Johnny wird) liebt seinen großen bruder Jack, bis der eines tages feuerholz für den nachbarn sägen muß. mit einer kreissäge, für einen dollar. da dachte ich, scheißfilm, der so was braucht. aber der film braucht es wirklich, es ist furchtbar, aber irgendwie … richtig.
die lebens-, erfolgs- und liebesgeschichte dieses Johnny Cash reichte allein schon aus, um den film ‚zu tragen‘. was mich aber fasziniert hat, waren die stereotypen des lebens, die praktisch nebenbei erzählt werden.
der mann als ewiges kind, cash (ziemlich cool gespielt von Joaquin Phoenix) geht lustlos einem job als elektrovertreter nach, eigentlich will er aber musik machen. er besäuft sich mit seinen freunden/bandmitgliedern („ich will aber nicht schlafen. trink doch ein bier mit mit uns.“ sagt er irgendwann zu June). er knallt sich die birne voll pillen - aus allen möglichen gründen: liebeskummer, weil er mit dem trubel/ruhm nicht klar kommt, weil er sich mit seiner frau streitet, oder einfach nur so. er läuft kurz mal von einer stadt zur anderen, um sturzbesoffen seiner angebeteten guten tag zu sagen. kurz und gut, diese realität hier ist nicht seine und er versucht sie auf jedem möglichen wege zu meiden. ich verstehe ihn.
die frau als realistin. „wir haben um zwei einen auftritt, die matinée. und hier habt nicht mal geschlafen, diese nacht. nein, ich will kein bier mit euch trinken.“ bis dahin hatte ich June (June Carter, gespielt von Reese Witherspoon) nicht als besonders aufregend empfunden, aber nachdem sie mit zornigem gesicht ein paar bierflaschen nach den besoffenen jungs geworfen hatte, mochte ich sie. auch wenn sie die dunkle seite der macht repräsentiert (wir erinnern uns: die frau als realistin). oder gerade weil wir kleinen jungs uns ja schließlich doch irgendwie (unbewußt?) darauf verlassen, daß mutti es schon richten wird…

bilder

zum schluß noch ein tip, weil ich ja doch besser weiß, wie filme gemacht werden müssen: wenn sich am ende der kreis im Folsom Prison wieder schließt, sollte man leise aufstehen und das kino verlassen. dann hat man das bessere ende (auf deutsch: spart euch die letzten fünf minuten und geht auf‘s klo!)



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