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der potsdamer platz sieht aus, wie ein einkaufszentrum in vancouver

von 重子 夏希 4. Apr 2006 19:09 ~ 0 x senf dazu ~ edit

… steht jedenfalls auf seite 690 in dem buch, das ich gerade lese (jeffrey eugenides, middlesex -

auf den über 700 seiten dieses buches stehen aber auch noch einige andere interessante sachen, z.b:

von einer patriarchalischen linearität konnte keine rede sein. wir griechen heiraten im kreis, um uns einzuprägen, worauf es in der liebe im wesentlichen ankam: daß man, um glücklich zu sein, vielfalt in der wiederholung finden muß; daß man, um voranzukommen, gut daran tut, an den gemeinsamen ausgangspunkt zurückzukehren.

(s.103)

auf seite 245 wird erwähnt, daß cals vater jugendlich verliebt in seine spätere mutter, ein gedicht von Andrew Marvell las, „an seine spröde geliebte“.
ich mußte natürlich dieses gedicht, das milton zum, man höre und staune, schreiben von liebesgedichten anregte, auch mal gelesen haben und fand es schließlich hier: „to his coy mistress“.
im buch wird der titel mit „an seine spröde geliebte“ übersetzt, coy könnte aber auch „schüchtern“ heißen.
(„daphnis und chloë“ hab ich da auch gefunden - auch nicht schlecht)

genau wie eugenides‘ toilette, so etwas könnte ich auch gebrauchen:

jeden tag ging ich, wenn ich irgend konnte, über die hintertreppe in die verlassene toilette und schloß mich wenigstens für eine halbe stunde ein.
gibt es einen anderen ort, der so tröstet, wie eine alte vorkriegsschultoilette? eine toilette, wie sie in amerika gebaut wurden, als das land einen aufschwung erlebte? die souterraintoilette an der baker&inglis war hergerichtet wie eine opernloge. an der decke strahlten edwardianische leuchten. die waschbecken waren tiefe weiße schüsseln, die in blauen schiefer eingelassen waren. beugte man sich nieder, um sich sein gesicht zu waschen, sah man winzige risse im porzellan, wie bei einer ming-vase. goldketten hielten die abflußstöpsel fest. unter den hähnen hatte tropfwasser das porzellan in dünnen streifen grün geschliffen.

eine sehr schöne szene auch als cal (da noch calliope) untersucht wird, nachdem sie, auf der flucht vor jerome, dem bruder des „objekts“, mit einem traktor kollidiert war:

mir war eingefallen, wie das objekt die hüften angehoben hatte, damit ich ihr die unterhose ausziehen konnte. das kleine signal der einwilligung, des begehrens. ich dachte daran, wie schön ich es gefunden hatte, daß sie das tat. jetzt griff die schwester unter mich. also hob ich die hüften.

auf der vergeblichen suche nach dem auf s.569 erwähnten japanischen maler „hiroshi yamamoto“ (es gibt wohl einen bogenschützen dieses namens, aber wo ist der maler?), fand ich übrigens heraus, daß es so etwas ähnliches wie ein japanisches projekt gutenberg gibt - aozora bunko.
und auf s.679 hab ich schließlich noch ein neues wort gelernt: peripatetiker.

aber es gibt auch dinge in diesem buch, die sooo tragisch sind: gleich am anfang die zerstörung von smyrna, inklusive der ermordung der ganzen familie von dr. philobosian und fast ganz am ende, der tod von milton, als er seine vermeintliche tochter auszulösen fährt, obwohl das ja schon fast wieder etwas komisches hat.


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