lästlinge
wen haben sie noch nie belästigt, diese lästigen linge? jahrelang war ich auf der suche. und zwar nach beidem, einem wort für diese unerträglichen mitmenschen, aber noch viel mehr nach einem mittel, mich vor selbigen zu schützen.
jetzt habe ich beides bei einem besuch bei meinen eltern gefunden. da stand ein unscheinbares fläschchen auf dem regal, dessen inhalt, 50ml Evinno-Ex, verspricht ‚biologischen schutz gegen lästlinge‘. da war es - das superwort: ‚lästlinge‘! warum komme ich nicht selber auf sowas?
und noch besser, es ist ‚unschädlich für mensch und tier‘, ohne altersbeschränkung völlig unbedenklich‘, ‚giftfrei‘ und ‚dermatologisch getestet‘. ab sofort braucht man sich nur noch ‚vom schädeldach bis zur schwanzwurzel‘ damit einzureiben und ist für ‚mindestens 30 tage vor lästlingen‘ geschützt.
übrigens denke ich, daß das mittelchen, trotz der etwas diskriminierenden anwendungsanleitung, auch für frauen und mädchen geeignet ist. und wenn nicht, dürfen frauen sich zumindestens über diese unersetzliche bereicherung ihres wortschatzes freuen: ‚lästlinge‘, we know your name!
von 重子 夏希 9. Okt 2005 23:52 ~ 2 x senf dazu ~ edit
im glashaus
wer kennt ihn nicht, den zwiebelfisch zusammengefaßt im buch der dativ ist dem genitiv sein tod haben diese kolumnen des geschichtswissenschaftlers und romanisten Bastian Sick schon einige zeitgenossen angeregt, zu herzlichem schmunzeln und zu ernsthaftem nachdenken über unseren oft allzu leichtfertigen umgang mit der lieben muttersprache.
viele artikel habe auch ich mit lust und gewinn gelesen. schlimme wortmoden (‚pur‘), unüberlegt manisches steigern an sich ausreichend treffender ausdrücke (‚der super-gau‘, ‚der perfekteste moment‘, ‚die optimalste lösung‘, ‚der totalste wahnsinn‘), der köstliche umgang mit englischen wörtern und ihre comedyverdächtige übersetzung, selbst bei den nachrichtenagenturen (unübertroffen: die leichensäcke im supermarkt - ‚body bags‘), das elend mit dem ‚binde-strich‘ („partei-tag“, „seh-test“, „rechtschreib-reform“) und der verheerende häk‘chenhagel, sprich die sogenannten „deppen-apostroph‘s“ („rudi‘s bierschwemme“, aber auch „lkw‘s“, „cd‘s“ und sogar „kid‘s“ oder „pizza‘s“).
toll, da mal gesagt zu bekommen, was man schon immer richtig oder auch seit jeher gnadenlos falsch gemacht hat. über den zwiebelfisch wurde sicher schon genug geschrieben, da müßte ich mich jetzt nicht auch noch dazu verbreiten. aber ich hatte immer das gefühl, irgendwann ertappst du herrn Sick dabei, wie er selbst über eine der regeln stolpert, die er uns so nahelegt.
und tatsächlich, in einer kolumne mit dem titel „im bann des silbenbarbaren“ macht Bastian Sick uns auf den vormarsch des suffix „-bar“ aufmerksam: „was früher unverwüstlich war, ist heute unverwüstbar, wenn nicht unkaputtbar“ - erinnerbar, akzeptierbar, unaufhaltbar. „judas mag käuflich gewesen sein, … der verräter von heute ist kaufbar.“ man sollte „alle kraft zusammennehmen und das barbarische suffix abschütteln.“
und jetzt kommts - 30 seiten weitergeblättert, finden wir die kolumne ‚streit und kein ende‘, und da steht schwarz auf weiß: „überall verlaufen unüberwindbare gräben der zwietracht und des hasses.“ autsch! aua! uiii! böser junge. dabei steht doch im duden zwischen unübertrefflich und unumgänglich nur ein wort, nämlich unüberwindlich. sicher hat er letztere kolumne zuerst und erstere später geschrieben, da konnte er ja noch nicht wissen, daß man „alle kraft zusammennehmen und das barbarische suffix abschütteln“ muß.
fazit: ich kann päpstlicher als der papst sein (hab ja nun bisher nur ein kleines fehlerchen gefunden), aber: auch wer die meisten glasscheiben aus seinem glashaus ausgebaut hat, der trifft doch früher oder später eine der übriggebliebenen, wenn er nur genügend steine wirft.
von 重子 夏希 9. Okt 2005 23:18 ~ 2 x senf dazu ~ edit
teufel
die bronze?plastiken von einer hexe, einem teufel und eine dritte von einer art teuflischen wildschwein am hexentanzplatz in thale faszinieren mich, seit ich vor kurzem zum ersten mal davon gelesen habe. am wochenende haben wir einen kleinen ausflug dahin gemacht und uns die sache mal in echt angeschaut.
hat mich für mein comicprojekt motiviert und bestärkt. hier eine kleine testzeichnung…
von 重子 夏希 4. Okt 2005 14:55 ~ 2 x senf dazu ~ edit
da verfinstert sich sogar die sonne
wer glaubt, thema des tages wäre das auszählen der nachwahlstimmen im wahlkreis 160 in dresden gewesen, der irrt sich.
allerdings verwirrt mich das ganze schon mal wieder. die spd bekommt 28%, die linkspartei 20% und die cdu gerademal 24%. trotzdem gewinnt ein cdu-mann mit 37% das direktmandat des wahlkreises? hallo, hab ich da wieder was falsch verstanden?
aber viel interessanteres ist heute vormittag zwischen 1100 und 1200 passiert. eine teilweise sonnenfinsternis. nach unserem besuch im harz, fuhren wir auf der A2 von braunschweig nach berlin und schauten erst einmal etwas verwirrt zum himmel hinauf. zunächst unsicher, ob das nun der mond oder die sonne wäre, entschieden wir, daß der mond nie unten angeknabbert ist, sondern immer irgendwie an der seite. und erinnerten uns, daß hannes vor kurzem so eine komische sonnenfinsternisbeobachtungsbrille aus der schule mitgebracht hatte. so begriffen wir denn endlich, daß das wirklich eine sonnenfinsternis sein mußte. wie man auf dem bild sieht, hatten wir auch noch das wetter auf unserer seite, ein recht kräftiger nebel, ohne den man das schauspiel wahrscheinlich nicht mal bemerkt, geschweige denn so schön hätte fotografieren können.
von 重子 夏希 3. Okt 2005 19:16 ~ 0 x senf dazu ~ edit
mal zum thema ‚tags‘
mhh … interessant finde ich ja die übersicht über ‚beliebte tags‘ bei bl♣g.de [konkurrenzprodukt unkenntlich gemacht].
bisher dachte ich immer, blogger wären irgendwie, naja, zumindest ein wenig verwegen und anrüchig. wie sie da so ihr leben vor allen ausbreiten. aber jetzt weiß ich: das lag nur daran, daß ich nur schmutzige oder verwirrte blogs gelesen habe.
nochmal zur ‚tag übersicht‘: daß ‚internet‘ und ‚kommunikation‘ als tags ganz oben stehen (so beurteile ich das nach der größe) mag nicht verwundern, verweist aber doch auf stark selbstreferentielle* neigung des bloggers an sich. (* ein wort, das lyssa sehr gern benutzt.
gesellschaft und politik stehen ebenfalls seeehr weit oben, wozu ich mich jetzt nicht weiter äußern will. (nachdem ich heute vom israelischen modell lesen mußte, hab ich genug kindergar politik für heute.
‚ich‘ ist natürlich auch gaaanz groß geschrieben. naja, schwamm drüber.
aber sowas wie ‚schriftstellerinnen‘ oder ‚sexy‘ ist gaaaanz klein. darüber wundere ich mich, aber was mich völlig verwirrt ist, daß ‚marko‘ und ‚rogge‘ wieder ganz groß und damit ja wohl ganz wichtig sind - was soll das denn?
von 重子 夏希 1. Okt 2005 00:22 ~ 1 x senf dazu ~ edit
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