dirty city
berlin ist halt doch eine ganz schön dreckige stadt …
fotografiert in der weichselstraße in friedrichshain
von 重子 夏希 8. Mai 2006 20:54 ~ 1 x senf dazu ~ edit
der potsdamer platz sieht aus, wie ein einkaufszentrum in vancouver
… steht jedenfalls auf seite 690 in dem buch, das ich gerade lese (jeffrey eugenides, middlesex -
auf den über 700 seiten dieses buches stehen aber auch noch einige andere interessante sachen, z.b:
von einer patriarchalischen linearität konnte keine rede sein. wir griechen heiraten im kreis, um uns einzuprägen, worauf es in der liebe im wesentlichen ankam: daß man, um glücklich zu sein, vielfalt in der wiederholung finden muß; daß man, um voranzukommen, gut daran tut, an den gemeinsamen ausgangspunkt zurückzukehren.
(s.103)
auf seite 245 wird erwähnt, daß cals vater jugendlich verliebt in seine spätere mutter, ein gedicht von Andrew Marvell las, „an seine spröde geliebte“.
ich mußte natürlich dieses gedicht, das milton zum, man höre und staune, schreiben von liebesgedichten anregte, auch mal gelesen haben und fand es schließlich hier: „to his coy mistress“.
im buch wird der titel mit „an seine spröde geliebte“ übersetzt, coy könnte aber auch „schüchtern“ heißen.
(„daphnis und chloë“ hab ich da auch gefunden - auch nicht schlecht)
genau wie eugenides‘ toilette, so etwas könnte ich auch gebrauchen:
jeden tag ging ich, wenn ich irgend konnte, über die hintertreppe in die verlassene toilette und schloß mich wenigstens für eine halbe stunde ein.
gibt es einen anderen ort, der so tröstet, wie eine alte vorkriegsschultoilette? eine toilette, wie sie in amerika gebaut wurden, als das land einen aufschwung erlebte? die souterraintoilette an der baker&inglis war hergerichtet wie eine opernloge. an der decke strahlten edwardianische leuchten. die waschbecken waren tiefe weiße schüsseln, die in blauen schiefer eingelassen waren. beugte man sich nieder, um sich sein gesicht zu waschen, sah man winzige risse im porzellan, wie bei einer ming-vase. goldketten hielten die abflußstöpsel fest. unter den hähnen hatte tropfwasser das porzellan in dünnen streifen grün geschliffen.
eine sehr schöne szene auch als cal (da noch calliope) untersucht wird, nachdem sie, auf der flucht vor jerome, dem bruder des „objekts“, mit einem traktor kollidiert war:
mir war eingefallen, wie das objekt die hüften angehoben hatte, damit ich ihr die unterhose ausziehen konnte. das kleine signal der einwilligung, des begehrens. ich dachte daran, wie schön ich es gefunden hatte, daß sie das tat. jetzt griff die schwester unter mich. also hob ich die hüften.
auf der vergeblichen suche nach dem auf s.569 erwähnten japanischen maler „hiroshi yamamoto“ (es gibt wohl einen bogenschützen dieses namens, aber wo ist der maler?), fand ich übrigens heraus, daß es so etwas ähnliches wie ein japanisches projekt gutenberg gibt - aozora bunko.
und auf s.679 hab ich schließlich noch ein neues wort gelernt: peripatetiker.
aber es gibt auch dinge in diesem buch, die sooo tragisch sind: gleich am anfang die zerstörung von smyrna, inklusive der ermordung der ganzen familie von dr. philobosian und fast ganz am ende, der tod von milton, als er seine vermeintliche tochter auszulösen fährt, obwohl das ja schon fast wieder etwas komisches hat.
von 重子 夏希 4. Apr 2006 19:09 ~ 0 x senf dazu ~ edit
songs sind wie hüte
das ist leider auch nichts geworden…
kein wunder bei 1024 teilnehmern „von 5 bis 79 jahren“. dabei hatte ich mir so gewünscht, wenigstens nominiert zu werden, aber das leben ist hart, so hart…
da passt ja tom waits: hang down your head
tröstet mich doch mal bitte ein bisschen.
von 重子 夏希 16. Mär 2006 00:36 ~ 0 x senf dazu ~ edit
la fumée monte vers la bas
das war dann wohl leider nichts :(
wieder haben 600 leute teilgenommen, und einer, der nicht ich bin, hat gewonnen.
ich muß im nachhinein aber sagen, daß sich arte nicht gerade mit ruhm bekleckert, was die durchführung dieses wettbewerbs angeht. monatelang hat sich auf der webseite nichts getan. man erhielt auch nicht einmal eine email, obwohl man seine email-adresse auf jedem blatt hinten vermerken sollte. stattdessen kommt 3 monate nach abgabetermin ein mageres update, eine seite, hauptsächlich mit infos, die sowieso schon bekannt waren und 1, in worten „eine“, seite des gewinnerbeitrages wird gezeigt.
und wenn ich mal darüber nachdenke als preis kann man es im grunde eigentlich nicht bezeichnen, wenn der gewinner 5000 euro bekommt, aber erst, wenn er das ganze album gezeichnet hat. das ist kein preis, sondern ein vorschuß, der demjenigen so oder so zusteht.
da hat sich glenat im grunde nur billig kostenlos eine menge entwürfe verschafft und konnte sich dann in aller ruhe einen passenden aussuchen.
gnatz
von 重子 夏希 16. Mär 2006 00:24 ~ 0 x senf dazu ~ edit
walk the line
ich sags gleich: ein toller film. lohnt sich. muß aber, glaube ich, im kino sein.
warum gefällt mir dieser film? ich will keine diskussion darüber vom zaun brechen, ob und warum man solche fragen überhaupt stellen sollte. grundsätzlich muß ich nicht begründen, warum mir irgendetwas gefällt. das hatte ich im studium schon zur genüge.
der start ist allerdings aus dem stoff, der mich wohl mein leben lang in meinen träumen verfolgen wird: J.R. (der erst später zu Johnny wird) liebt seinen großen bruder Jack, bis der eines tages feuerholz für den nachbarn sägen muß. mit einer kreissäge, für einen dollar. da dachte ich, scheißfilm, der so was braucht. aber der film braucht es wirklich, es ist furchtbar, aber irgendwie … richtig.
die lebens-, erfolgs- und liebesgeschichte dieses Johnny Cash reichte allein schon aus, um den film ‚zu tragen‘. was mich aber fasziniert hat, waren die stereotypen des lebens, die praktisch nebenbei erzählt werden.
der mann als ewiges kind, cash (ziemlich cool gespielt von Joaquin Phoenix) geht lustlos einem job als elektrovertreter nach, eigentlich will er aber musik machen. er besäuft sich mit seinen freunden/bandmitgliedern („ich will aber nicht schlafen. trink doch ein bier mit mit uns.“ sagt er irgendwann zu June). er knallt sich die birne voll pillen - aus allen möglichen gründen: liebeskummer, weil er mit dem trubel/ruhm nicht klar kommt, weil er sich mit seiner frau streitet, oder einfach nur so. er läuft kurz mal von einer stadt zur anderen, um sturzbesoffen seiner angebeteten guten tag zu sagen. kurz und gut, diese realität hier ist nicht seine und er versucht sie auf jedem möglichen wege zu meiden. ich verstehe ihn.
die frau als realistin. „wir haben um zwei einen auftritt, die matinée. und hier habt nicht mal geschlafen, diese nacht. nein, ich will kein bier mit euch trinken.“ bis dahin hatte ich June (June Carter, gespielt von Reese Witherspoon) nicht als besonders aufregend empfunden, aber nachdem sie mit zornigem gesicht ein paar bierflaschen nach den besoffenen jungs geworfen hatte, mochte ich sie. auch wenn sie die dunkle seite der macht repräsentiert (wir erinnern uns: die frau als realistin). oder gerade weil wir kleinen jungs uns ja schließlich doch irgendwie (unbewußt?) darauf verlassen, daß mutti es schon richten wird…
zum schluß noch ein tip, weil ich ja doch besser weiß, wie filme gemacht werden müssen: wenn sich am ende der kreis im Folsom Prison wieder schließt, sollte man leise aufstehen und das kino verlassen. dann hat man das bessere ende (auf deutsch: spart euch die letzten fünf minuten und geht auf‘s klo!)
von 重子 夏希 13. Mär 2006 23:26 ~ 0 x senf dazu ~ edit
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